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Gemeinsam für mehr Bewegung im Land

Gemeinsam für mehr Bewegung im Land

Die Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung in Österreich erreicht die Minimalkriterien der nationalen Bewegungsempfehlungen nicht. Das ist einer der Gründe, warum mittlerweile mehr als 70 % der über 18-Jährigen übergewichtig oder adipös sind. Bewegungsmangel als "Seuche des 20. Jahrhunderts" kann nur erfolgreich bekämpft werden, wenn verschiedene Bereiche zu diesem Ziel erfolgreich kooperieren: Deshalb wurde unter der Leitung der SVA bereits 2015 in der Steiermark das erste gemeinsame Projekt im Rahmen der Landesgesundheitszielsteuerung von den bundesweiten Krankenversicherungsträgern, der steirischen Gebietskrankenkasse, der Unfall- und Pensionsversicherung gemeinsam mit den Sportvereinen von SPORTUNION, ASKÖ und ASVÖ gestartet. 

Die aktuellen Ergebnisse dieses Kooperationsprojekts wurden im Rahmen der wissenschaftlichen Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH) am 23. und 24. Mai präsentiert und diskutiert. Die wissenschaftliche Evaluation vom steirischen Projekt "Jackpot" spricht Bände: Inaktive Personen, die im Rahmen eines Kuraufenthalts intensiv betreut und motiviert werden, finden nach dem Kuraufenthalt im regionalen Sportverein eine Gruppe, die sie dauerhaft dabei unterstützt, körperlich aktiv zu bleiben. Damit dieses Ziel erreicht werden konnte, war viel Organisationsentwicklung nötig - sowohl auf Seiten der Sozialversicherung, als auch auf Seiten des organisierten Sports. So wurden beispielsweise die Prozesse der Kurerledigung adaptiert, ein standardisiertes Schnittstellenmanagement für Kureinrichtungen erarbeitet – und evidenzbasierte Standards in regionalen Sportvereinen umgesetzt. Aufgrund der Zwischenergebnisse sind sich die involvierten Entscheidungsträger aus Sozialversicherung und Sport einig, dass gemeinsame Anstrengungen weiterhin notwendig sind.  

Walter Lunner, Generaldirektor-Stellvertreter der SVA, der Sozialversicherung der Selbständigen und Unternehmer, dazu im Rahmen der ÖGPH-Tagung: „Wir möchten mehr Bewegung, in jeder Hinsicht. Eine Regelfinanzierung setzt voraus, dass die Pilotprojekte nachweislich erfolgreich laufen. Über die positiven Ergebnisse und die tolle Kooperation freue ich mich sehr, sehe aber auch die Herausforderungen.“

Die wichtigsten Ergebnisse:

- Vereinsbasierte, standardisierte Bewegungsprogramme wurden bis jetzt von 1.149 TeilnehmerInnen besucht. So finden Personen nach einem stationären Heilverfahren Unterstützungsangebote in ihrer Wohnortnähe.

- Vor Beginn des Bewegungsprogrammes war das durchschnittliche Alter der TeilnehmerInnen 53 Jahre, der BMI 27 kg/m2 (übergewichtig), die Leistungsfähigkeit in einer Belastungsergometrie war unterdurchschnittlich im Vergleich zu den alters- und geschlechtsspezifischen Referenzwerten.  

- Durch die Teilnahme am Vereinsprogramm konnten die österreichischen Bewegungsempfehlungen erreicht – ja sogar übertroffen werden. 200 Minuten aerobe Aktivität pro Woche mit mittlerer Intensität wurden objektiv (Accelerometer) gemessen.  

- Nahezu alle Sportvereine erfüllten die durch die Sozialversicherung vorgegeben Standards auf Anhieb (Herz-Kreislauftraining 92 %, Kraft-Training 85 %). 

Gemeinsam gegen die Zivilisationskrankheit Bewegungsmangel kämpfen

Peter McDonald, Präsident der SPORTUNION Wien, dazu bei einer Podiumsdiskussion des ÖGPH-Events: „Die fast 15.000 Vereine von SPORTUNION, ASKÖ und ASVÖ bewegen in ganz Österreich rund drei Millionen Menschen. Wir können aber noch mehr leisten und als Partner der Sozialversicherung gemeinsam gegen die Zivilisationskrankheit Bewegungsmangel kämpfen. Spaß an der Bewegung bringt Lebensqualität, erhält die Gesundheit und sichert die Finanzierbarkeit der solidarischen Krankenversicherung.“

Gesundheitspolitische Entscheidungen: fakten- und evidenzbasiert 

Thomas Dorner als Präsident der ÖGPH, der Österreichischen Gesellschaft für Public Health, begrüßt im Rahmen der Tagung die Zusammenarbeit der beiden Sektoren und freut sich, dass die wissenschaftlichen Evaluationen einen hohen Stellenwert genießen: „Gesundheitspolitische Entscheidungen sollen fakten- und evidenzbasiert geschehen - bei diesen Maßnahmen ist man hier auf dem richtigen Weg. Gerade in Zeiten wie diesen sind solche Positivbeispiele besonders wichtig.“ 

Peter McDonald als Entscheidungsträger bei der SPORTUNION skizziert die nächsten Schritte: „Wir wollen bis 2020 so viele neue Mitglieder wie möglich für unsere Vereine gewinnen und haben deshalb das „fit-und-gesund-Vereinspaket“ geschnürt. So unterstützen wir unsere Vereine bei der Umsetzung neuer Fitness- und Gesundheitssport-Angebote mit finanzieller Förderung und die SPORTUNION hilft bei der Bewerbung neuer Kurse. Dadurch wollen wir die Vereine in ganz Österreich noch attraktiver und vielfältiger machen – für die enormen gesundheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft.“

Die Kosten-Nutzen-Analyse dazu, was der Gesundheitssport schlussendlich dem Gesundheitssystem im Detail bringt, ist in Arbeit. „Es besteht für mich kein Zweifel, dass der in den Projekten gewählte Ansatz ein richtiger ist“, so Walter Lunner abschließend.

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